Carola Brackrock

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Carola Brackrock

»Zarte Kraft« - Ultrachrome pigment prints
16. Oktober - 25. November 2004

 

 

Die Bildwelt der Hamburger Künstlerin Carola Brackrock ist optischer Erlebnisraum. Sie ist zum einen Erschließung des Gegensatzes von Transparenz und Materialität, zum anderen geht es um Transparenz und Versinnlichung:
Zarteste Feinheit, in ihrer Ausstrahlung kraftvolle Eleganz.

 

Brackrocks Augenmerk gilt der Qualität ästhetischer Erfahrung und ihrer Bedeutung für geistige Erkenntnisprozesse, wobei neue formale Lösungen nie allein auf Anfangsfaszination zurückzuführen sind. Häufig sind in die Dutzende gehende Vorstufen auszumachen, bis eine selbständige Bildaussage entsteht.

 

Technisch gesehen ist Brackrocks besonderes Verdienst - vielleicht - die Gestaltungsgrenzen zwischen Malerei und Fotografie füreinander durchlässig zu machen. Formal gesehen geht es ihr um Form und Nicht-mehr-Form und um neue Überlegungen hinsichtlich der Konzeption des Raumes.

In einigen Serien findet Raumerfahrung nur innerhalb des sujets statt, bei anderen ist Belastung der Gesamtfläche gemeint.

 

Es ist ein tastendes Eruieren von Möglichkeiten, die Grenzen der Erfahrung (die uns durch unsere Natur auferlegten Grenzen) zu verschieben, hin zu einem noch nicht dagewesenen, nur vom Menschen machbaren Seherlebnis.

 

Die Kunst der Carola Brackrock atmet den Geist konzentrierter Spontaneität. Durch Versenkung in den Gegenstand, die nichts dahinter sucht und nichts als ihn selbst aussprechen will, gewinnt die Künstlerin eine Sicherheit, die unabhängig ist vom Urteil anderer.

 

Ihre Arbeiten sind Gegenkraft gegen die Automatisierung der Wahrnehmung. Dingen, denen wir qua Gewöhnung keine Beachtung mehr schenken, die Empfindung des Lebendigen wiederzugeben, und zwar als neues Sehen, nicht als Wiedererkennen - ist eine der Wirkweisen der Brackrock-Bilder.

 

Jedes ist eine Andeutung, die den Betrachter veranlassen soll, aus eigenem Vermögen etwas hinzuzutun, das Bild in seiner Vorstellung zu ergänzen. Einbildungskraft und Gefühl des Sehenden sind gefordert.

 

Das schlichteste, einfachste Mittel der Darstellung zeigt die äußerste Konzentration. Östlicher Philosophie gilt es, die Illusion der Welt und ihres Hochmutes zu durchschauen.

 

Aber Vorsicht: Wer alles durchschaut, sieht gar nichts mehr. Soweit wollen wir es nicht kommen lassen.

 

Angelika W. J. la Roche

Kunsthistorikerin/Galeristin