Jan Koblasa - »Löwe« - Arbeiten zum Thema: Gilgamesch EposAusstellung in Panker vom 01.09.2002 - 01.10.2002
Galerie Noran im Torhaus Gut Panker
Beschäftigung mit großer Kunst ist immer Auseinandersetzung mit Lebenswirklichkeit. Jan Koblasa ist ein Künstler wachsender internationaler Bedeutung. Seit seiner Emeritierung - er hat 30 Jahre lang die Bildhauerklasse der Hochschule Kiel geleitet - widmet er sich verstärkt seinem eigenen Schaffen.
Die Ausstellung zeigt Koblasas bildnerische Einlassung zum Thema »Löwe«. Der Löwe, Symbol der Macht matrilinearer Stadtstaaten, Schutztier der Weiblichkeit - der großen Göttin der Frühzeit. In der Übergangszeit zum patrilinearen Gesellschaftsgefüge gab es demzufolge überall auf der Welt Heroen, Helden, Löwenbesieger, die mit dem Löwn die Macht an sich rissen. Koblasa interessiert die Veränderung des Lebensgefühls, die veränderte Einstellung zum Begriff der Zeit im Sinne von Lebenszeit, von Eigenzeit und das Bewußtwerden des unabänderlichen Faktums der Sterblichkeit als Wirklichkeit.
Solange die Menschen sich in einem Kreislauf des Lebens, des Wechsels von Werden und Vergehen geborgen fühlten, trat die Einsamkeit des Einzelmenschen nicht in Erscheinung. Koblasa geht bildnerisch ein auf das Gilgamesch-Epos, das erste literarische Schriftwerk der Menschheit. Es ist in die Zeit von etwa 3000 v.Chr. anzusiedeln, eine Zeit, in der der Wandel von einer Gesellschaftsform zur anderen die Intelligentia beschäftigte. So ist denn das Gilgamesch-Epos existentielle Literatur, in der sich der Mensch mit seiner Wildnatur auseinandersetzt und mit seiner eigenen Endlichkeit. Die Rebellion des Einzelmenschen gegen die zeitliche Begrenztheit des eigenen Lebens ist Thema.
Jan Koblasa macht die 13 Winde, die zum Machtwechsel beigetragen haben, zum Bildanlaß. Immer wieder, in vielen Variationen, stehen die Winde für Zudecken von Altem und für ein Erahnen neuer möglicher Realitäten.
Einzelstatements zu Handelnden des Gilgamesch-Epos werden bei ihm zu geschichts- und zeitübergreifenden Positionen von Menschsein.
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